Von gezogenen Bremsen und frischem Dampf
01.01.2026
Ein Rückblick auf das vergangene und eine Vorausschau auf das aktuelle Jahr
🧐 In der deutschen ÖV-Branche haben nicht nur wir uns seit 2022 angewöhnt, zum Jahresende erwartungsvoll Ausschau zu halten. Welche Veränderungen wird uns das neue Jahr in letzter Minute noch bringen? Es kam das Deutschlandticket – und dann änderte sich doch lange wenig.
Vielerorts musste zweigleisig gefahren werden: große Reformen vorbereiten, aber noch nicht umsetzen können. Einige hochtrabende Visionen wurden vom Rettungsschirm-Mechanismus und der Kassenlage geerdet. Jetzt nimmt der ÖPNV-Zug aber Schwung auf. Wir durften im Maschinenraum nicht nur zu Lande sondern auch auf dem Wasser an Großem mitwirken: zahlreiche Tarifreformen wie z.B. im Rheinland, in Westfalen, in Vorarlberg oder auch in Sachsen-Anhalt; Vertriebsoptimierungen sowie intensive Kooperationen bis hin zu Fusionen von Verkehrsverbünden oder gemeinsamen Vertriebsportalen.
Unser hidden Champion unter den Tarifreformen: die Öffis im Kreis Hameln - nur noch zwei Preisstufen und rekordverdächtiges Tempo von der Analyse bis zur Umsetzung!
Sanierungsstau haben wir aber nicht nur bei Bahnstrecken, U-Bahn-Tunnels und Buswartehäuschen, sondern auch beim Zugang zum Kunden. Was soll der Fahrgast zahlen, wofür und auf welchem Weg? Wie findet er sich zurecht? Ab 2026 kommt es wieder unmittelbar auf die eigene Leistung an! Jeder zusätzliche Fahrgast bringt Geld in die Kassen – und wir freuen uns, daran mitgestalten zu dürfen.
Die Zeit für Schmalspurlösungen ist vorbei, jetzt soll es der große Wurf sein! Gleichzeitig sind allerorten Geldnot und drohende Angebotskürzungen die Realität. Aber bitte keine wilde Naivität und zuviel „Grüne Wiese” – wir können Politik und Gesellschaft mitnehmen und von mutigen und zu Ende gedachten Lösungen überzeugen. 💪
🇦🇹 Nicht nur das KlimaTicket Österreich wird zum Jänner teurer – 116 € im Monat: für bundesdeutsche Ohren ganz schön viel. Unterdessen durften wir in Sachen umlagefinanzierte Gästekarten fleissig sein: Maximale Einfachheit auch für den berüchtigten „Autofahrer mit Hut” in immer mehr Ecken Österreichs. In der Schweiz wird dieses Jahr wieder branchenweit auf eine Preiserhöhung verzichtet – bei deutlich höherer Kostendeckung und Kostenwahrheit des Autos als in den Nachbarländern. Auch schön: Das erste Mal seit langem ist auch wieder ein Modal Shift weg vom Auto messbar.
Wer es schlank (381 mm) und einfach (nur zwei Preisstufen) haben möchte, dem empfehlen wir einen Besuch im Großen Garten zu Dresden. Das ist Nahverkehr, der noch mehr Spaß macht! Unsere Parkeisenbahn wurde gegründet, um Eisenbahner-Nachwuchs von der Schiene zu begeistern. Die Antriebswende mit Akku-Loks gibt es dort schon seit 60 Jahren. Das „Check-in-Check-out“ machen jugendliche Fahrkartenkontrolleure mit der Knipszange – Rück- und Rundfahrten explizit erwünscht! An Tickets mit Fahrtunterbrechung wird gerade getüftelt …
Nun nehmen wir alle zusammen Schwung für 2026, lösen die Bremsen und dampfen hochmotiviert in die neuen Zeiten. Wir wünschen Ihnen frische Ideen und Mut für das neue Jahr! 🥳

