Projektergebnisse aus Westfalen-Lippe
22.05.2026
Neues Tarifsystem für Westfalen – einfache Struktur mit lokalen Freiheitsgraden
Frisch beschlossen wurden die Ergebnisse eines Projektes, das uns seit zwei Jahren intensiv beschäftigt hat: die Totalreform des WestfalenTarifs hin zu einem schlanken, flexiblen und trotzdem ergiebigen Tarifsystem!
Ein Rückblick: 2017 startete der WestfalenTarif als Fusion aus vier eigenständigen Tarifräumen. Das Produktsortiment wurde nach und nach vereinheitlicht, aber die alten Preisstufen standen weiterhin nebeneinander. So kamen 60 Preisstufen, über 800 verschiedene Ticketpreise und mehr als 2.000 zu berücksichtigende Tarifgebiete und -zonen zusammen. Die Fusion war ein großer Schritt nach vorne – aber die Kraft für eine wirklich einfache, verständliche Tarifstruktur fehlte damals. 10 Jahre später – zum April 2027 – wird dies nun nachgeholt.

Unser Projektteam aus Christoph Stadter, Michael Klier, Tobias Rensch und Chajim Meinhold durfte die Partner im WestfalenTarif bei der Konzeption und Wirtschaftlichkeitsberechnung unterstützen. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit war immer konstruktiv: Alle Beteiligten hinterfragten Liebgewonnenes und prüften neue Ideen wohlwollend-kritisch, und am Ende konnte Großes entstehen. Vielen Dank an Lea Rötter, Oliver Mietzsch, Matthias Hehl, Markus Frühauf und viele mehr!
Seit 2017 hatten sich zwei Dinge geändert: Das Deutschlandticket fängt alle Pendlerinnen und Stammkunden auf – super-einfach, nebenbei auch super-billig – wer nicht ausschließlich lokal durch Detmold oder Soest fahren möchte, holt sich das D-Ticket. Zudem entstand eezy.nrw als fairer Luftlinientarif, der seit 2026 sogar eine Preisgarantie zum klassischen EinzelTicket anbietet. Beides hat die Erwartung der Fahrgäste nochmal deutlich verschoben: Einfachheit ist Trumpf!

Nun reichen die vier Preisstufen A bis D, um mit Einzel- oder 24StundenTickets durch Westfalen-Lippe zu kommen. Zudem durften wir ein Konzept entwickeln, wie sich die lokal sehr unterschiedlichen Preisniveaus, Angebotsqualitäten und Wettbewerbsbedingungen in einen einfachen Tarif übersetzen lassen. In Münster wird viel geradelt? Dort ist das Abo für Dauernutzer billig, aber das EinzelTicket auf Großstadt-Niveau. In Bielefeld fährt eine leistungsfähige Stadtbahn im Affenzahn in die City? Dort haben auch die Abonnenten eine höhere Zahlungsbereitschaft. Und in Lüdenscheid, Lemgo oder Lünen sieht es nochmal ganz anders aus. Unser Konzept verbindet die einfache Preisstufenstruktur mit flexiblen Preisvarianten in den lokalen Stufen A und B. So erhalten wir die heutige Wirtschaftlichkeit des Tarifs – und vermeiden gleichzeitig enorme Mehrkosten für Fahrgäste in Kommunen, die heute eher preiswert unterwegs waren. Denn was interessiert den Gelegenheitskunden in Paderborn schon, was das Ticket in Coesfeld kostet ...?
Eine Sache ist aber unverändert: Niemand hat einen Goldesel – eine Tarifreform muss dieselben Fahrgelderlöse einspülen wie der alte Tarif. Einfacher, aber im Mittel nicht billiger – das erzeugt nicht nur Gewinner, sondern auch den einen oder anderen Verlierer. Zum Glück konnten wir die Preise so austarieren, dass ca. 70% aller EinzelTicket-Nutzer ungefähr beim alten Fahrpreis bleiben. Für den Rest bietet eezy.nrw die perfekte Lösung: bequem ein- und auschecken, nie mehr zahlen als das EinzelTicket – und in vielen Fällen weniger als vorher! Gerade auf Relationen, bei denen die neuen Preisstufen einen Sprung nach oben verursachen, lässt sich so der alte Fahrpreis fast immer sichern. Auch wenn man diese Wechsel mit einkalkuliert, ist uns eine erlösneutrale Tarifreform(prognose) gelungen. Und wenn die Reform so richtig zündet, kann es durchaus noch besser werden – wir drücken allen Partnern im WestfalenTarif die Daumen!
